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Bordairline Radsberg 2013 - Christian Grohs

cgrohs radsbergWie fast immer bei einem Bordairline Wettbewerb musste ich aufgrund der aktuellen Windsituation 10 Minuten vor dem Start meine Flugstrategie noch einmal gründlich überdenken. West oder Ost, wie kann ich wohl mehr Kilometer machen? Aus dem Bauch heraus entschieden Tomy Hofbauer und ich gemeinsam, unsere am Vorabend ausgedachte Route Richtung Westen umzusetzen.

Wir beschlossen, uns gemeinsam auf den Weg zu machen, um bei einem 2-3stündigen Spaziergang Zeit zum Plaudern zu finden, als unser Kollege Sebastian Huber uns fragte, ob er sich uns anschließen dürfe. Natürlich freuten wir uns über die Begleitung und liefen zu dritt Richtung Bärental und weiter an die slowenische Grenze.

Nach etwa 3 Stunden verabschiedete sich Tomy von mir, da ich sein Supertempo nicht mehr mithalten wollte, und Sebastian kam Tomy zu meiner Verwunderung weiter nach. Also wanderte ich alleine weiter und beobachtete auf den letzten Höhenmetern Richtung Startplatz bereits die ersten Piloten, die vom Ferlacher Horn gestartet waren, dort aber wenig Höhe machen konnten und nicht unweit vom Gipfel wieder landen gingen. Am Startplatz Bärensattel waren die Windböen dermaßen stark, dass ich zunächst überlegte, zu Fuß weiterzugehen oder abzuwarten. Ich nutzte dann aber eine windschwache Phase, legte rasch meinen Schirm auf und war schon in der Luft.

Mit einem traumhaften Flug bei super Bedingungen konnte ich bis an die italienische Grenze fliegen. Dort zwang mich ein 35er Gegenwind letztlich zur Landung. Eigentlich sehr zufrieden mit meinem weiten Flug, wollte ich umdrehen, als ich im Livetracking sah, dass Sebastian seinen Wendepunkt eine halbe Stunde vor mir in Tarvisio gesetzt hatte.

Nachdem ich ohnehin am Vortag zu Robert Heim gesagt hatte: „Lass uns nach Italien fliegen, um italienisch essen zu gehen", lief ich noch die 16 km nach Tarvis, um dort Abend zu essen und mit viel Glück den Wendepunkt von Sebastian zu überbieten. Nach den guten italienischen Spaghetti in der Bahnhofsreste breitete ich mit vollem Bauch meinen Schirm in der Wartehalle vom Bahnhof aus, um darin eine Stunde lang ein Nickerchen zu machen. Den Rest der Nacht, von Mitternacht bis 5 Uhr früh, verbrachte ich mit einer Nachtwanderung retour bis Dovje in Slovenien, wo ich mich in den frühen Morgenstunden noch einmal für eine Stunde in meinen Schirm kuschelte. Danach bekam ich von einer Bäuerin ein herzhaftes Frühstück, um dann auf den Frauenkogel aufzusteigen mit dem Ziel, am frühen Nachmittag am Landeplatz vom Radsberg einzulanden, da ich mit meinen Blasen auf den Füßen keinen einzigen Meter mehr als auf diesen Berg gehen wollte.

Als ich am Gipfel ankam, regnete es leider leicht und die Basis hing knapp unter Grad-Niveau. Da ich keinen Plan B hatte, startete ich dennoch meinen Schirm und flog unter den dichten Wolken Richtung Westen. Als sich die erste Wolkenlücke auftat, nutzte ich die Chance, über den Grat Richtung Norden zu fliegen, und schaffte es trotz mittelmäßiger Flugbedingungen immerhin bis Feistritz.

Ein Blick auf Google Maps verriet mir, dass ich noch 23km, aber nur noch dreieinhalb Stunden bis zum Ziel hatte. Ich wusste, dass ich einen guten Wendepunkt hatte und wollte diesen unbedingt ins Ziel tragen. Also schaltete ich meine Blasen und vor allem meine Schmerznerven aus, um geradewegs bis ins Ziel zu joggen, wo ich gerade noch 5 Minuten vor Schluss über die Ziellinie lief.

Vielen Dank an meine Fliegerfreunde, mit denen ich die ersten Stunden gemeinsam verbracht habe. Wie immer war der Bordairline ein super spannendes Abenteuer und wie sich später herausstellte, reichte meine Leistung für den ersten Platz. Also hat sich der Trip zum Abendessen nach Tarvisio und zum Frühstück nach Slowenien auf jeden Fall ausgezahlt.

 

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